Fragen & Antworten

Borderline

Beantwortet von: Katrin Endtner, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Es gibt verschiedene Konzepte, die sich mit dem Borderlinesyndrom befassen. Eines davon hat Marsha Linehan entwickelt, es nennt sich Dialektisch-Behaviorale Therapie. Sie definiert das Borderlinesyndrom als Emotionsregulationsstörung. Das heisst, dass die Betroffenen grosse Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle wahrzunehmen und damit umzugehen. Oft werden die Gefühle weggedrückt, aus Angst davor, nicht mit ihnen umgehen zu können. Dann kann eine starke Spannung aufkommen, die die Betroffenen entweder mit einem selbstschädigenden (gegen sich selber gerichtet) oder mit einem impulsiven (gegen aussen gerichtet) Verhalten zu reduzieren versuchen. Angehörige oder nahe Bezugspersonen bekommen diese Verhaltensweisen mit und können sie nicht verstehen oder einordnen. Das ist meist für sie sehr belastend.

Depression

Beantwortet von: Lic. Phil. Dania Di Maiuta, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Manisch-depressiv (oder bipolare Störung) beschreibt eine Krankheit, bei welcher die Betroffenen sehr grosse Schwankungen hinsichtlich ihrer Stimmung erleben. Es zeigt sich teilweise eine sehr rasche Abwechslung zwischen Phasen mit depressiven und Phasen mit manischen Symptomen. Zu den depressiven Beschwerden zählen beispielsweise Antriebslosigkeit, Niedergeschlagenheit und Motivations- und Freudlosigkeit. Typische für die Manie ist eher ein „Hoch“, also eine euphorische Stimmung, in der Menschen oft risikoreiches Verhalten an den Tag legen (wechselnde Sexualpartner, hohe Geldbeträge ausgeben, schnelles Autofahren) oder auch sehr intensiv künstlerisch tätig sind und beispielsweise sehr wenig Schlaf brauchen.

Beantwortet von: Med. pract. Simon Birnstiel, Oberarzt, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Ja, Depressionen können in jedem Lebensalter auftreten. Die Anzeichen sind je nach Alter etwas unterschiedlich. Depressive Kleinkinder spielen z.B. nicht. Je älter ein Kind ist, umso ähnlicher werden die Zeichen einer Depression jenen des Erwachsenenalters (Niedergeschlagenheit, Freud- & Lustlosigkeit bis hin zu Hoffnungslosigkeit, gestörter Antrieb).
Bei Kindern und Jugendlichen gibt es häufig relativ milde Formen als Reaktionen auf schwierige Lebenssituationen, sog. Anpassungsstörungen.

Beantwortet von: Sabrina Bichsel, Assistenzärztin, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Dass man gelegentlich genervt, wütend, traurig oder unzufrieden ist, ist ganz normal. Kein Mensch ist immer glücklich, fröhlich und aufgestellt. Auch unangenehme Gefühle gehören zum Leben und sind sehr wichtig für unsere Weiterentwicklung. Sie zeigen uns, dass etwas gerade nicht okay ist. Manchmal bemerken wir dank diesen Gefühlen auch, dass wir entgegen unseren eigentlichen Bedürfnissen und Wünschen handeln. Darauf können wir reagieren – zum Beispiel, indem wir etwas in unserem Leben verändern.
Die Frage, ab wann man von einer psychischen Störung sprechen kann, kann nicht so allgemein beantwortet werden. Es kommt in erster Linie darauf an, wie sehr Du selber unter den genannten Symptomen leidest oder wie sehr Dein Alltag (Schule, Beruf, Freundeskreis, Hobbies etc.) dadurch beeinträchtigt ist. Grundsätzlich gilt bezüglich einer Depression, dass die gedrückte Stimmung während mindestens zwei Wochen anhaltend und unabhängig von äusseren Umständen vorhanden sein sollte, damit man die entsprechende Diagnose stellen kann.
Wenn Du dir nicht sicher bist, was mit dir los ist und Du unter Deinem Zustand leidest, sprich am besten mit Fachpersonen darüber. Meist ist dein Hausarzt eine gute erste Adresse. Er kann dir helfen, die Situation besser einzuschätzen und dich bei Bedarf auch an einen Spezialisten weiterweisen.

 

Beantwortet von: lic. phil. Claudine Kroužel, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Nimm deine Gefühle und Beobachtungen ernst. Scheue dich nicht, die betroffene Person anzusprechen und deine Sorge zum Ausdruck zu bringen. Empfehle ihr, professionelle Hilfe anzunehmen. Lass nicht locker, oft braucht es mehrere Anläufe und verschiedene Personen die ihre Sorge ausdrücken. Wenn du das Gefühl hast, dass die betroffene Person akut gefährdet ist oder andere gefährdet, melde es weiter (Eltern, andere Bezugsperson, Lehrer, Hausarzt, Psychiatrischer Notfalldienst). Auch die Telefonnummer 147 ist für Jugendliche eine gute Anlaufstelle. Es ist im äussersten Notfall möglich, dass jemand gegen seinen Willen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird. Ein solches Vorgehen muss ein Arzt anordnen. Dies geschieht aber nur, wenn alle anderen Mittel versagt haben.

Beantwortet von: Richard, Humphris, Pflegefachmann HF Psychiatrie, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Antidepressiva sind Psychopharmaka (Medikamenten, die einen direkten Wirkung auf die Psyche verursachen), die bei einer Depression die Symptome günstig beeinflussen oder zum Verschwinden bringen können. Sie wirken als alleinige Therapie sehr unterstützend gegen die Symptome einer Depression, oder in Kombination mit eine Therapie durch eine Psychologe/ in oder Psychiater/ in.
Antidepressiva haben das Ziel, die Konzentration von bestimmten Botenstoffe (sog. Neurotransmittern) wie Serotonin oder Noradrenalin in den Spalten zwischen gewissen Rezeptoren in Gehirn (sog Synaptischen Spalten) zu erhöhen, und dadurch die Beschwerden zu beheben.
Grundsätzlich gibt es drei verschiedenen Arten von Antidepressiva:

  • Dämpfende, ausgleichende Antidepressiva
  • Stimmungsaufhellende Antidepressiva
  • Antriebssteigernde Antidepressiva

Beantwortet von: lic.phil. Eva Glaus, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Eine Depression hat viele Gesichter, es gibt verschiedene Schweregrade. Eine leichte Depression ist für Außenstehende oft nicht ersichtlich, da die/der Betroffene seinen alltäglichen Aktivitäten noch nachgeht. Trotzdem ist es wichtig sich Hilfe und Unterstützung bei Fachpersonen wie Z.B. an einem psychiatrischen Ambulatorium zu suchen.

Beantwortet von: lic.phil. Eva Glaus, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Depressionen bahnen sich oft langsam an. Fühle ich mich über längere Zeit niedergeschlagen, bedrückt und werde immer wieder von kreisenden negativen Gedanken über mich, mein Leben oder meine Zukunft heimgesucht, so dass ich morgens manchmal kaum aus dem Bett mag und ich zunehmend die Freude am Leben verliere, können das Anzeichen einer Depression sein. Weitere Merkmale, die zu einer Depression gehören sind Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Erschöpfungsgefühle, innere Leere und Lustlosigkeit sowie Minderwertigkeitsgefühle. Wenn ich depressiv bin, kann ich eine grosse innere Unruhe spüren und reagiere schneller gereizt. Alltagsaktivitäten und der Kontakt zu anderen Menschen kosten mich zunehmend Überwindung, ich habe ein starkes Bedürfnis mich zurückzuziehen und verbringe möglicherweise viel Zeit mit schlafen. Die Hoffnungslosigkeit kann so stark werden, dass ich nicht mehr Leben möchte und Selbstmordgedanken auftreten.

Beantwortet von: Lic. Phil. Isabelle Spreng, MSc, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Tatsächlich geht es bei der Trauer nicht darum, etwas hinter sich zu lassen oder abzulegen wie einst die schwarze Kleidung nach dem Trauerjahr. Als Prozess dient sie dazu, den Schmerz zu verarbeiten. Das kann schneller gehen oder mag auch langsamer gelingen. „Die Zeit ist kein Kriterium“, sagt der Berner Psychologe Hansjörg Znoj. „Und jeder trauert anders.“
Neuere Forschungen ergeben, dass Trauer und Schmerz nicht in den bisher angenommenen Phasen auftreten, sondern dass sie vielmehr  in Wellen kommen, die mit der Zeit immer kürzer und weniger intensiv werden. So erlebt ein  Mensch Traurigkeit, Wut oder Einsamkeit, aber da alle Gefühle kurzfristig angelegt sind, wechseln sich die negativen Gefühle immer wieder mit positiven Gefühlen ab, selbst wenn zu Beginn die Momente der Freude oder des Lachens sehr kurz sind. So pendelt der trauernde Mensch hin und her – Sehnsucht, Kummer, Leere und Schmerz sind verlustbezogene Prozesse, Ablenkung, kurzfristige Verdrängung, vorwärtsgerichtetes Denken und Momente der Freude sind regenerative Prozesse. Wer also kurz nach einem Todesfall auch schon einmal wieder herzlich lachen kann, ist nicht krank oder verdrängt seine Trauer, sondern er nutzt die gesunden Mechanismen seiner Psyche, die ihm durch das Lachen eine Pause vom Schmerz gönnen. Nur bei einer Minderheit von Menschen wird die Trauer chronisch und kommt nicht in Wellen, sondern scheint konstant zu sein. Die Gefühlslage ändert sich auch nach Monaten nicht, ist blockiert, im Stillstand und sie sehen keinen Weg, wie sie aus dieser Hilflosigkeit des Schmerzes allein herausfinden sollen. In solchen Fällen kann professionelle Hilfe angesagt sein, aber das kann man frühestens nach einem halben Jahr sagen, so die Ergebnisse der Studien von Bonanno.

 

Beantwortet von: Lic. Phil. Isabelle Spreng, MSc, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Aus Familienstudien weiss man, dass erbliche Faktoren zur Entwicklung von Depression beitragen. Je näher der Verwandtschaftsgrad (eineiige Zwillinge, Geschwister, Eltern) desto grösser die Wahrscheinlichkeit an einer Depression zu erkranken. Neuere Untersuchungen zeigen, dass es nicht nur ein einzelnes Depressionsgen gibt, sondern eine Reihe von Bausteinen im Erbgut, welche im Zusammenspiel mit den jeweiligen Lebensumständen am seelischen Gleichgewicht der betreffenden Menschen mitwirken. Das heisst, dass depressives Erkranken selbst bei nahen Verwandten mit Depressionen kein unabwendbares Schicksal darstellt und Depressionen heutzutage in vielen Fällen erfolgreich behandelt werden können. So darf eine Familienplanung auch bei allfälligem Vorliegen einer depressiven Veranlagung mit positiven Gedanken angegangen werden.

Beantwortet von: Sabrina Bichsel, Assistenzärztin, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Zögere nicht, Dir Hilfe von einer Fachperson zu holen. Oft ist der Hausarzt die erste Ansprechperson. Falls notwendig, weist er Dich weiter – meist zu einem Psychiater/ einer Psychologin. Die Behandlung einer Depression richtet sich nach dem Schweregrad der Symptome. Oft wird eine Kombination aus Psychotherapie und stimmungsaufhellenden Medikamenten (sogenannten Antidepressiva) eingesetzt. Du wirst zuerst mit der Fachperson besprechen, was in Deinem individuellen Fall Sinn macht.
Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt „Behandlung der Seele“. Dabei finden regelmässige Gespräche mit einer Psychiaterin/ einem Psychologen statt. Hier geht es einerseits darum, dass Du mit ihrer/seiner Hilfe genauer erkennst, welche Faktoren zu Deiner Erkrankung geführt haben. Zudem kannst Du mit ihm/ihr Wege finden, deine Probleme zu bewältigen, deine individuellen Stärken wieder zu sehen und Tätigkeiten, die dir gut tun, wieder mehr Gewicht zu geben.
Oft ist als Ergänzung eine Behandlung mit einem Antidepressivum sinnvoll. Es gibt heute sehr viele verschiedene, wirksame und gut verträgliche Antidepressiva.

 

Beantwortet von: Lic. Phil. Andreea Bosshard, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Antriebsmangel, fehlender Elan sowie die Mühe, Alltägliches zu meistern sind häufige Anzeichen einer Depression. Depression äussert sich neben einer bedrückten Stimmung und Hoffnungslosigkeit hauptsächlich darin, dass es nicht mehr möglich ist, Freude oder Genuss zu empfinden bis hin zu Rückzug von sozialen Kontakten, Aufgabe der Tagesstruktur und Einschränkung der alltäglichen Aktivitäten. Dies kann so weit gehen, dass Betroffene am liebsten nur noch im Bett bleiben. Die Motivationslosigkeit und Energieverlust sind für die Betroffenen selbst wie auch für ihr Umfeld häufig nicht verständlich und können zu weiterem Frust, Schuldgefühlen und Belastungen führen. Eine Depression hat nichts mit fehlender Willenskraft zu tun.
Es ist wichtig, dies ernst zu nehmen und so früh wie möglich das Gespräch mit einer Person Ihres Vertrauens zu suchen und sich fachliche Unterstützung zu holen.
In einer Therapie geht es darum, die Stimmung zu verbessern und zu stabilisieren mittels Förderung körperlicher Bewegung, Steigerung von Aktivitäten, welche als positiv wahrgenommen werden und den ablaufenden Kreislauf von Rückzug, Selbstabwertung und negativen Gedanken zu unterbrechen.

 

Beantwortet von: Lic. Phil. Jonas Bamert, MSc, Psychiatrischer Dienst Emmental

Depressionen sind weit verbreitet, die Wahrscheinlichkeit über das Leben hinweg mindestens einmal an Depressionen zu leiden beträgt zirka 20%. Es besteht also eine grosse Wahrscheinlichkeit, dass es in Deinem Umfeld eine oder mehrere Personen gibt, welche auch davon betroffen sind oder bereits betroffen waren. Es ist wichtig, vertrauten Personen davon zu erzählen und das Ganze nicht einfach in sich „hineinzufressen“. Depressionen sind behandelbar. Dein Hausarzt hat jederzeit die Möglichkeit, Dich bei einer Fachperson, beispielsweise an einem psychiatrischen Ambulatorium, anzumelden.
Auf der Website www.depression.ch findest Du viele wertvolle Informationen zum Thema Depression (mit Broschüren in 17 verschiedenen Sprachen – so können sich auch Deine fremdsprachigen Freunde oder Verwandten darüber informieren).
Eine weitere gute Möglichkeit von den eigenen Depressionen zu erzählen bieten Selbsthilfegruppen, in welchen Betroffene sich gegenseitig über ihre Erlebnisse mit den Depressionen austauschen können. Ein Überblick über regionale Selbsthilfegruppen findet sich auf der Website www.selbsthilfeschweiz.ch.

 

Beantwortet von: Lic. Phil. Jonas Bamert, MSc, Psychiatrischer Dienst Emmental

In einen ausweglosen Zustand kann man in unterschiedlichen Krisensituationen geraten. Dazu gehören etwa:
Hilf- und Perspektivenlosigkeit (beispielsweise durch Probleme im beruflichen und privaten Umfeld), Verluste von nahestehenden Personen, seelische, körperliche und soziale Veränderungen (Krankheiten, Übergangsphasen im Leben, gravierende Schlafstörungen).
Zu den Risikogruppen zählen alleinlebende isolierte Menschen, ältere Männer, Menschen mit psychischen Erkrankungen und Menschen in psychosozialen Krisen (Arbeitslosigkeit, finanzielle Schwierigkeiten, fehlender Lebenssinn).
Es ist jedoch auch wichtig zu wissen, dass sich nicht alle Menschen in den genannten Krisensituationen oder den genannten Risikogruppen selbst Schaden zufügen wollen. Viele Menschen überstehen herausfordernde Lebensphasen auch ohne dass eine Gefahr für Suizid besteht. Es ist aber immer wichtig, mit solchen Krisen nicht alleine umzugehen. Wie Du anderen Personen von Deinen Depressionen erzählen kannst erfährst Du weiter unten.

Beantwortet von: lic. phil. Julia Nöthiger, Psychiatrischer Dienst Emmental

Es gibt zahlreiche Gründe und Auslöser für eine Depression. Manche Menschen reagieren mit einer Depression wenn ihr Hund stirbt. Andere entwickeln nicht einmal nach traumatisierenden Gewalterlebnissen eine Depression. So ist die Veranlagung von Mensch zu Mensch verschieden.
Manche Menschen haben eine erhöhte Anfälligkeit für eine Depression, ohne dass ein spezifischer Auslöser vorliegt. Diese Anfälligkeit kann möglicherweise vererbt werden.
Belastende Lebenserfahrungen in der Vergangenheit oder der Gegenwart, die nie oder nur schlecht verarbeitet wurden, stellen einen weiteren möglichen Faktor für die Entstehung einer Depression dar. Beispiele dafür sind der Verlust des Arbeitsplatzes, Mobbing, ein Todesfall o.ä.
Auch von der körperlichen Seite her gibt es denkbare Einflüsse: eine schwere Infektion oder Operation, Drogenmissbrauch oder chronische Krankheiten können auch der Auslöser für eine Depression sein.
Oftmals spielen verschiedene Faktoren zusammen, die dann zu einer Depression führen.

Beantwortet von: Lic. Phil. Julia Nöthiger, Psychiatrischer Dienst Emmental

Von einer Depression spricht man, wenn die betroffene Person unter einer gedrückten Stimmung und einer Verminderung von Antrieb leidet. Sie hat weniger Interesse an Aktivitäten, die ihr sonst Spass gemacht haben und kann sich schlechter konzentrieren als normal. Es kommt oft zu Schlafstörungen und vermindertem Appetit. Manche Leute verlieren das Selbstvertrauen, fühlen sich wertlos oder haben Schuldgefühle.
Alle Menschen haben mal einen schlechten Tag oder eine Phase, in der sie weniger Freude und Antrieb haben. Deshalb sind sie aber noch nicht depressiv.
Von einer Depression im klinischen Sinn spricht man, wenn die oben genannten Symptome kombiniert auftreten und während zwei Wochen vorhanden sind. Zusätzlich massgebend für die Diagnose einer Depression ist der persönliche Leidensdruck.

Essstörungen

Beantwortet von: Livia Remund, MSc Psychologin und Frau Johanna Zaugg, MSc Psychologin, Interdisziplinäre Adipositasbehandlung Inselspital, Therapie von Anorexie und Bulimie Inselspital

Wenn du noch minderjährig bist, ist grundsätzlich das Einverständnis der Eltern für die Therapie notwendig. Der Einbezug der Eltern ist wichtig und kann zur Behandlung der Essstörung beitragen. Falls es dir schwerfällt dies mit den Eltern zu besprechen, kannst du dich an die Arbeitsgemeinschaft Essstörung wenden, dort werden kostenlose Beratungen per Mail oder Telefon durch Fachpersonen angeboten: www.aes.ch

 

Beantwortet von: Livia Remund, MSc Psychologin und Frau Johanna Zaugg, MSc Psychologin, Interdisziplinäre Adipositasbehandlung Inselspital, Therapie von Anorexie und Bulimie Inselspital

Grundsätzlich gilt, dass Essstörungen, die umgehend behandelt werden, eine deutlich bessere Prognose vorweisen als unbehandelte. Ein Drittel bis die Hälfte der Betroffenen werden völlig geheilt, ein Drittel lernt mit der Krankheit umzugehen und bis zu einem Drittel kann an einer chronischen Essstörung erkranken.

Beantwortet von: Livia Remund, MSc Psychologin und Frau Johanna Zaugg, MSc Psychologin, Interdisziplinäre Adipositasbehandlung Inselspital, Therapie von Anorexie und Bulimie Inselspital

Keine Essstörung hat nur eine Ursache. Es werden prädisponierende Faktoren wie z.B. das Schlankheitsideal, auslösende Faktoren wie z.B. Stress und aufrechterhaltende Faktoren wie z.B. ein restriktives Essverhalten unterschieden. Bei den Betroffenen liegen unterschiedliche Ursachen vor.

Beantwortet von: Livia Remund, MSc Psychologin und Frau Johanna Zaugg, MSc Psychologin, Interdisziplinäre Adipositasbehandlung Inselspital, Therapie von Anorexie und Bulimie Inselspital

Ein gesundes Essverhalten zeichnet sich dadurch aus, dass die Nahrungsaufnahme durch Hunger- und Sättigungsignale gesteuert wird. Essen dient dazu, dem Körper Energie zuzuführen. Im Rahmen einer Essstörung nimmt das Essen eine andere Funktion ein. Wenn das Essverhalten vermehrt zu Sorgen und Belastungen führt, eine übermässige Beschäftigung mit der Nahrung und dem eigenen Körperbild vorliegt und es dadurch vermehrt zu körperlichen, emotionalen und sozialen Problemen kommt, kann eine Essstörung vorliegen.

Auf der Homepage www.netzwerk-essstörungen.ch kann eine Selbstbeurteilung durchgeführt werden.

Beantwortet von: Livia Remund, MSc Psychologin und Frau Johanna Zaugg, MSc Psychologin, Interdisziplinäre Adipositasbehandlung Inselspital, Therapie von Anorexie und Bulimie Inselspital

Bei Betroffenen mit einer Anorexie liegt eine Körperschemastörung vor, sie nehmen sich trotz tiefem Gewicht als dick wahr. Dies ist für Aussenstehende nicht nachvollziehbar. Äussere deine Sichtweise ohne die betroffene Person aufgrund ihrer Wahrnehmung zu verurteilen. Diese Körperschemastörung wird im Rahmen der Therapie behandelt.

Beantwortet von: Livia Remund, MSc Psychologin und Frau Johanna Zaugg, MSc Psychologin, Interdisziplinäre Adipositasbehandlung Inselspital, Therapie von Anorexie und Bulimie Inselspital

Zentral ist, dass die betroffene Person ihre Essstörung als Krankheit ansieht und sich aus Eigeninitiative heraus an Fachpersonen wendet und sich von diesen betreuen lässt. Schildere deine Sorgen aus deiner Sicht. Gute Ratschläge und Konfrontationen sind häufig nicht zielführend und führen zu Ablehnung.

psychische Krankheiten allgemein

Beantwortet von: Lic.phil. Angelika Köstner, Psychiatrischer Dienst, Spital Emmental

Ja. Wir sprechen bei psychischen Erkrankungen von einer Störung.
AHDS ist eine psychische Störung, die neurobiologisch und durch die Umwelt/ Umgebung bedingt ist und in der Kindheit und Jugend beginnt. Bei ihr treten wie bei anderen psychischen Störungen Probleme des Denkens, der Gefühle, der Bewegung und des sozialen Verhaltens auf. Behandlungsbedürftig ist das ADHS/ADS erst, wenn die Ausprägung so stark ist, dass sie zu Beeinträchtigungen von Leistungen und im Sozialen führt. Dies kann zu Leidensdruck führen. Es können in der Folge damit verbundene psychische Störung wie Ängste, Depression oder Suchtverhalten auftreten. In der Therapie beschäftigt man sich mit Aufmerksamkeit, Selbstregulation und Impulsivität.

Beantwortet von: Beatrice Ritz, Psychologin, Ambulantes Zentrum Buchmatt

Angehörige sind immer mitbetroffen. Solche die versuchen mit aller Liebe zu helfen, aufzumuntern und unterstützen können erfahren, dass die Krankheit «stärker» ist. Wenn Angehörige ihre Bedürfnisse zurücknehmen, die Krankheit zu einem Dauerthema wird und sich nichts verändert, löst das fast immer (unberechtigte) Schuldgefühle, Hilf- und Ausweglosigkeit aus. Dabei kann es sein, dass man selber psychisch krank werden kann.

 

Beantwortet von: Katharina Küchler, Psychologin, Ambulantes Zentrum Buchmatt

Nein, es ist keine psychische Störung, wenn man das Bedürfnis hat, jeden Tag ein oder zwei Mal zu duschen. Es kann aber auch sein, dass jemand viele Male am Tag duschen oder sich ständig die Hände waschen muss. Wenn eine Person dies über längere Zeit immer wieder tun muss und es nicht schafft, damit aufzuhören, weil sie sich sonst sehr unwohl fühlt und starke Angst bekommt, könnte es sich um eine psychische Störung handeln. Fachpersonen würden hier von einer Zwangsstörung sprechen, weil sich jemand gezwungen fühlt, eine Handlung immer und immer wieder auszuführen. Wenn man vermutet darunter zu leiden, sollte man dies mit dem Hausarzt oder einer Fachperson wie einer Psychologin oder einer Psychiaterin besprechen. Manchmal gibt es dafür nämlich auch noch andere Erklärungen.

Schlafstörungen

Beantwortet von: Dr. med. Martin Weber, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Es gibt viele Gründe für Müdigkeit am Tage. Dazu gehören Stress und Ärger, bestimmte Medikamente, körperliche Erkrankungen oder auch psychische Probleme wie eine Depression. Es kann sogar sein, dass man zuviel geschlafen hat. Sollte es allerdings tagsüber dazu kommen, dass man ungeplant einschläft (also „schläfrig“ ist), dann sollte man das bei einem Spezialisten abklären lassen.

Beantwortet von: Dr. med. Martin Weber, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Eine Schlafstörung hat man, wenn man „gestört“ ist. Wenn sich ein Schlafproblem ausdehnt, zu Ängsten und Verkrampfung führt. Es gibt viele Menschen, die gerne abends noch eine Stunde wach liegen, bevor sie einschlafen. Eine Schlafstörung haben die nicht. Andere sind völlig zufrieden mit 5 Stunden Schlaf, haben aber das Gefühl, eine Schlafstörung zu haben, weil andere Personen aus ihrer Umgebung meinen, sie sollten 8 Stunden schlafen. Auch diese Menschen haben keine Schlafstörung.

Beantwortet von: Dr. med. Martin Weber, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Einschlafen kann man nur, wenn man entspannt ist. Am besten heisst das, auch nichts Genaues zu denken, weil jede Art von zielgerichtetem Denken ja eine Aktivierung voraussetzt. Und Stress oder Ärger aktivieren natürlich noch viel mehr.
Es ist schwierig zu sagen: einfach Aufhören mit dem Denken, wenn man einschlafen will. Und trotzdem ist es sinnvoll, sich an diese Worte zu erinnern, wenn man sich schlaflos im Bett wälzt. Man soll versuchen, nichts mehr zu planen und Probleme zur Seite zu schieben, sonst kann man nicht einschlafen. Andererseits hilft es einem vielleicht zu wissen, dass man sich selbst am Einschlafen hindert, wenn man sich über etwas aufregt. Und dass man dann eine Erklärung dafür hat, dass es nicht klappt.

Selbstwertgefühl

Beantwortet von: Katja Gmünder, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, von der Kinder- und Jugendpraxis Emme in Burgdorf

Die ersten Grundsteine der Selbstwertentwicklung werden in der frühesten Kindheit gelegt, Erikson hat dafür den Begriff des Urvertrauens geprägt. Es kommt also sehr darauf an, welche Erfahrungen ein Kind in den ersten Lebensjahren macht. Wurden seine Bedürfnisse wahrgenommen und angemessen darauf reagiert? Oder war es schon früh darauf angewiesen, sich und seine Gefühle selbst regulieren zu müssen? Wurde das Kind von seiner Umgebung aktiv entwertet, z.B. von den Eltern, im Kindergarten, in der Schule etc.? Hat es gar Mobbingerfahrungen gemacht? Darüber hinaus wird Selbstwertgefühl zu einem Teil sicher auch modellhaft „gelernt“ – wenn also ein Kind Eltern hat, die selbst über einen geringen Selbstwert verfügen und sich entsprechend verhalten und auch äussern, besteht die Gefahr, dass es zumindest teilweise solche Muster übernimmt. Denkbar ist ausserdem wie bei so vielen Wesenszügen, dass genetische Einflüsse ebenfalls eine Rolle spielen. Hat also ein Mensch in seiner Kindheit beispielsweise die Erfahrung gemacht, dass nicht angemessen auf seine Bedürfnisse reagiert wurde und ist er eher in einer von Selbstunsicherheit geprägten Umgebung aufgewachsen oder gar öfters entwertet worden, ist dies in ihm „abgespeichert“. Dies lässt sich durch spätere gegenteilige Erfahrungen, beispielsweise in Form von Lob oder entgegen gebrachtem Wohlwollen nicht so einfach wieder korrigieren. Oft ist dazu erst eine Auseinandersetzung mit den gemachten Erfahrungen in der Vergangenheit erforderlich.

Beantwortet von: Katja Gmünder, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, von der Kinder- und Jugendpraxis Emme in Burgdorf

Hier liegt intuitiv als erstes nahe zu denken, dass man den Selbstwert von Kollegen stärken kann, indem man sie lobt und ihnen Komplimente macht. Wie jedoch bei der Frage zum Umgang mit Menschen, die über ein zu kleines Selbstwertgefühl ausgeführt ist, ist es mit dem Lob etwas ein zweischneidiges Schwert. Wichtiger als Lob kann sein, der Person zu zeigen, dass man an ihr interessiert ist, wissen möchte, wie es ihr geht, sie gern hat, ihre Nähe schätzt und ihr in schwierigen Situationen gern hilfreich zur Seite steht. Ausserdem sollte man der Person gut zuhören und ihr das Gefühl geben, dass man sie in jeder Situation ernst nimmt. Letztlich vermittelt man der Person auf diese Art, dass sie einem viel bedeutet, so dass sich die Person in der Folge selbst ebenfalls einen höheren Wert zuschreiben kann. Hilfreich können dabei auch kleine „Gesten“ sein, die die eigene Zuneigung unterstreichen: So kann man vielleicht einer Freundin mal einen Brief schreiben und ihr auf diesem Wege mitteilen, was man an ihr so schätzt und ihr für ihre Freundschaft danken. Sinnvoll können auch kleine, symbolhafte Geschenke sein, die für die Bedeutung stehen, die die Person für einem hat.

Beantwortet von: Katja Gmünder, Fachpsychologin für Psychotherapie FSP, von der Kinder- und Jugendpraxis Emme in Burgdorf

Den richtigen Umgang mit Menschen zu finden, die ein zu kleines Selbstwertgefühl haben ist nicht ganz einfach. Dass sie über ein zu kleines Selbstwertgefühl verfügen, zeigt sich oft an sich entwerteten Äusserungen wie beispielsweise „ich kann das eh nicht“, ich bin zu blöd, ungeschickt etc. dafür“, „andere können das besser als ich“ oder darin, dass diese Personen sich vieles nicht zutrauen, beispielsweise vor anderen Menschen zu sprechen. Meist wollen sie auch auf keinen Fall auffallen. Solchen Menschen ist dabei manchmal selbst gar nicht bewusst, dass sie über ein zu geringes Selbstwertgefühl verfügen. Ein erster Schritt kann also sein, durch wiederholtes, gezieltes Nachfragen oder entsprechende Äusserungen die Person überhaupt erst darauf aufmerksam zu machen, dass sie über ein kleines Selbstbewusstsein verfügt, beispielsweise „wieso meinst du, dass du das nicht kannst, hast du es schon einmal versucht?“ oder „wieso denkst du so negativ von dir?“ Durch Äusserungen wie diese regt man das Gegenüber dazu an, über sich und die eigenen Fähigkeiten nachzudenken, im Idealfall setzt dies einen selbstwertstärkenden Prozess in Gang. Es kann auch hilfreich sein, solche Menschen mit der Realität zu konfrontieren, ihnen beispielweise aufzuzeigen, dass ihre Umgebung durchaus positiv auf sie reagiert, z.B. „es haben sich doch alle darüber gefreut, dass du zur Party erschienen bist“ oder „hast du gesehen, wie dieser Mann dich angelächelt hat“.

Lob ist natürlich an sich eine positive Sache, gerade Kinder brauchen beim Aufwachsen immer wieder positive Verstärkung oder Anerkennung für „Geleistetes“. Forschungsergebnisse zeigen allerdings, dass eine Person, die selbst ein negatives Selbstbild hat, also schlecht über sich denkt besser mit Informationen umgehen kann, die ihrem (negativen) Selbstbild entsprechen als mit gegenteiligen, d.h. also besser mit negativen Rückmeldungen als mit positiven. Vereinfacht gesagt, wer ein schlechtes Bild von sich hat, hat Mühe, Lob anzunehmen, er kann es nicht in sein Selbstkonzept integrieren. Eine solche Person wird Mühe haben, der lobenden Person überhaupt zu glauben. Lobt man die Person für aus ihrer Sicht selbstverständliche Dinge, kann es gar die gegenteilige Wirkung haben, dass die Person sich entwertet fühlt. Trotzdem kann es hin und wieder sinnvoll sein, die Person für ihre Vorzüge zu loben, wobei das Lob jedoch stets ehrlich gemeint sein, eher sparsam eingesetzt werden und nicht zu plump daher kommen sollte.

Sucht

Beantwortet von: Cornelia Zehnder, Berner Gesundheit

Trotz zahlreicher Studien ist der Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und dem Ausbruch einer Psychose bislang nicht abschließend geklärt. Sicher ist jedoch inzwischen, dass Personen, die für eine Psychose anfällig sind, durch das Kiffen das Risiko für einen Ausbruch einer Psychose erhöhen. Hierzu drei denkbare Erklärungen: Erstens könnte der Cannabiskonsum alleine die Ursache für den Ausbruch eine Psychose sein, die unter anderen Umständen nicht aufgetreten wäre. Dann müsste man von einer eigenständigen „Cannabispsychose“ sprechen.

Ebenso ist denkbar, dass der Cannabiskonsum nur bei denjenigen Personen eine Psychose auslöst, die bereits dafür anfällig sind. Hier wäre der Cannabiskonsum also nicht die alleinige Ursache. Cannabis würde lediglich bewirken, dass die unterschwellig bereits vorhandene Psychose zum Ausbruch kommt. Somit wäre das Kiffen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Drittens ist es auch denkbar, dass „psychosegefährdete“ Personen eine besondere Schwäche für das Kiffen haben. Kiffen wäre dann eher Folge als Ursache einer Psychose.

Sind nun alle Kiffer von einer Psychose bedroht? Grundsätzlich müssen sich Cannabiskonsumentinnen und -konsumenten darüber im Klaren sein, das sie aufgrund des Kiffens ein höheres Risiko für eine Psychose haben als abstinente Personen. Falls du psychoseähnliche Symptome bei dir entdeckst, lässt du die Finger besser ganz davon. Mit Symptomen ist folgendes gemeint: Das unbestimmte Gefühl, dass etwas Merkwürdiges mit dir passiert, das Gefühl, verfolgt zu werden oder die Erfahrung, dass die Gedanken rasen und nicht kontrolliert werden können. Wenn du diese Symptome bei dir feststellst, ist es nicht zwangsläufig so, dass du psychotisch wirst. In diesem Fall bist du jedoch auf der sichereren Seite, wenn du ganz aufs Kiffen verzichtest.

Beantwortet von: Cornelia Zehnder, Berner Gesundheit

Der Konsum von Substanzen kann früher oder später in eine Abhängigkeit führen. Nach der internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) liegt dann eine Abhängigkeit vor, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Innerer Zwang zum Konsum: Verminderte Kontrollfähigkeit über den Konsum
  • Körperliche Entzugssymptome, wenn der Konsum gestoppt oder reduziert wird
  • Toleranzbildung: Dosis muss erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen
  • Andere Interessen werden vernachlässigt, erhöhter Zeitaufwand für die Beschaffung, für den Konsum oder für die Erholung vom Konsum
  • Trotz Wissen um bereits vorliegende Gesundheitsschäden wird weiter konsumiert

Der Weg in eine Abhängigkeit ist sehr unterschiedlich. Was jedoch für alle gilt, sind Risikofaktoren, die die Entstehung einer Abhängigkeit beeinflussen können. Fühlt sich jemand beispielsweise durch die Wirkung von Kokain so, wie er schon immer sein wollte – stark und selbstbewusst – und hat er eine Bezugsquelle für die Droge, so ist die Gefahr weiteren Konsums besonders hoch. Neben einem geringen Selbstwert, einer niedrigen Frustrationstoleranz und einer geringen Konfliktfähigkeit sind auch ungünstige Verhältnisse im eigenen Umfeld massgeblich daran beteiligt, ob jemand in eine Abhängigkeit rutscht. Auch die Art des Suchtmittels, die Verfügbarkeit davon und die Dauer der Einnahme hat einen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Konsums. Nicht zuletzt spielen die in der Gesellschaft vorhandenen Werte eine grosse Rolle. Konsum- und Leistungsorientierung dürfen hierbei nicht unterschätzt werden.

Falls du also vor der Entscheidung stehst, ob du illegale Substanzen einnehmen oder übermässig Alkohol konsumieren willst, frage dich, was genau du damit erreichen möchtest. Probierst du etwas zu verdrängen? In diesem Fall ist Vorsicht geboten und du lässt lieber deine Finger davon, denn eines ist klar: Substanzen lösen das Problem nicht für dich. Zudem entgeht dir die Chance zu lernen, wie du unbequeme Situationen im Leben auf eine konstruktive Art lösen könntest.

Beantwortet von: Daniela Gnägi, Berner Gesundheit

Grundsätzlich gilt: Süchtig werden kann jeder Mensch, in jedem Alter. Je früher der Konsum aber beginnt, desto grösser ist das Risiko, später im Leben eine Abhängigkeit zu entwickeln.

So unterschiedlich wie die Substanzen sind, so unterschiedlich sind auch die Statistiken. Falls du hierzu mehr wissen möchtest, findest du unter www.suchtmonitoring.ch  mehr Informationen dazu.

Hier einige ausgewählte Zahlen aus dem oben erwähnten Suchtmonitoring-Bericht von 2014:

  • Das Durchschnittsalter bei Erstkonsum von Alkohol liegt bei Frauen bei 17.6 Jahren und bei Männern bei 16.1 Jahren.
  • Das Durchschnittsalter bei Beginn des auffälligen Alkoholkonsums für beide Geschlechter zusammen liegt bei etwa 34 Jahren.
  • Der risikoreiche Alkoholkonsum steigt zunächst mit dem Alter an und liegt bei den 20- bis 24-Jährigen bei 4.1%, dies ist seit 2011 vergleichsweise stabil geblieben. Der risikoreiche Alkoholkonsum ist am stärksten etwa zu Beginn des Rentenalters. Knapp 8.1% der 65- bis 74-Jährigen trinken Alkohol mit zumindest mittlerem Risiko.
  • Der höchste Anteil der Rauchenden wurde in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen verzeichnet (34.7%), gefolgt von den 20- bis 24-Jährigen (33.0%), während in der Altersgruppe der Personen ab 75 Jahren weniger als eine von zehn Personen rauchte (7.3%).
  • Cannabis: Bei den 15- bis 24-Jährigen ist die 12-Monatsprävalenz mit etwa 21% am höchsten und geht dann mit zunehmendem Alter stark zurück.

Beantwortet von: Daniela Gnägi, Berner Gesundheit

In den diagnostischen Leitlinien des ICD-10 (internationale Klassifikation psychischer Störungen) sind neben den körperlichen Abhängigkeitskriterien (körperliche Entzugssymptomatik, Nachweis einer Toleranz und anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen), folgende Kriterien für eine psychische Abhängigkeit von Cannabis notwendig:

  • Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang Cannabis zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums.

Körperliche und psychische Prozesse sind häufig nicht klar trennbar – dennoch ist die Überwindung der psychischen Abhängigkeit für Betroffene meist deutlich schwieriger als das Überstehen von körperlichen Entzugssymptomen.

Vielleicht merkst du folgende psychische Entzugssymptome, wenn du nach einem regelmässigen Konsum über eine längere Zeit mal einen Tag nicht kiffst:

  • Craving (das starke Verlangen nach dem Cannabis)
  • Appetitminderung
  • Schlafstörungen
  • merkwürdiges Träumen
  • Schwitzen (vor allem nachts)
  • Reizbarkeit
  • Aggressivität,
  • innere Unruhe
  • Affektlabilität
  • Angst
  • Hyperalgesie (übermäßige Schmerzempfindlichkeit)

Eine Abhängigkeit von Cannabis entwickelt sich häufig deshalb, weil die Betroffenen immer häufiger in Versuchung geraten, schwierige Alltagssituationen und damit verbundene unangenehme Gefühle oder Gedanken durch das Kiffen auszublenden. Je länger das Cannabis zur Alltagsbewältigung eingesetzt wird, desto schwieriger wird es, sich wieder ein Leben ohne Cannabis vorzustellen.
Je früher du also reagierst, desto besser. Es gibt diverse Informationsbroschüren bzw. Angebote, ich werde dir hier einige nennen:
www.realize-it.org
www.safezone.ch
www.suchtschweiz.ch/infos-und-fakten/cannabis

Beantwortet von: Monika Trapp, Berner Gesundheit

Hinschauen, nicht wegschauen, nachfragen, direkt ansprechen! Ich vermute du trinkst zu viel!

Es ist wichtig dass du verständnisvoll reagierst. Dein Gegenüber sieht in seinem Konsum vielleicht kein Problem. Du kannst daran nichts ändern ausser, dass du deine Vermutung klar äusserst und ihm sagst, dass es Hilfsangebote gibt, die ihm helfen den Alkoholkonsum wieder in den Griff zu bekommen.

Beantwortet von: Matthias Rauh, Berner Gesundheit

Es gibt sehr interessante Worte in dieser Fragestellung, probieren – Jugend – Drogen- Sucht und Norm. Mit Hilfe dieser Worte würde ich Dir gerne antworten:

Als Jugendliche/r probierst und suchst du die Grenzen der Normalität, vor der Sucht steht oft eine Art Suche. Jugendliche entwickeln in ihren Bezugsgruppen neue eigene Normen, Leiden stellt kein Hindernis dar, das Ausprobieren und Konsumieren von Substanzen geschieht oft absichtslos und ist nicht ergebnisorientiert. Gleichzeitig suchen sie Sicherheit und Geborgenheit und verlangen nach Orientierung. In diesem Sinn versuche ich in den Gesprächen mit jungen Menschen, sowohl der spannenden und gefährlichen Suche Rechnung zu tragen und ihnen gleichzeitig Orientierungshilfen bewusst zu machen. Es kann helfen die Eltern zu stärken, damit ihre Erfahrung wieder als Hilfe und nicht als Hürde erlebt wird. In wenigen Fällen sind Jugendliche wirklich körperlich oder psychisch von einer Substanz abhängig, in solchen Fällen empfehlen wir einen Entzug, sei es stationär oder ambulant. Jugendliche suchen Erfolgserlebnisse und wollen neue Sachen beherrschen und kennen lernen, es hilft Ihnen, wenn sie wissen, was sie tun wollen und dürfen. In diesem Sinne macht sich jeder Jugendliche in die neue Welt des Erwachsenwerdens auf oder wird Musiker, Schauspieler oder Künstler 🙂

Beantwortet von: Stefan Frank, Berner Gesundheit

Bei Entzugserscheinungen werden ganz unterschiedliche Medikamente abgegeben. Der Arzt/die Ärztin achtet auf die Entzugserscheinungen, auf die Symptome die ein Patient/eine Patientin beim Entzug hat. Es gibt eine Vielzahl von Symptomen und Entzugserscheinungen, wie zum Beispiel Krämpfe oder Kopfschmerzen und vieles mehr. Bei Entzügen werden meistens Medikamente abgegeben welche beruhigend und entspannend wirken (solche Medikamente gehören zu der Medikamentengruppe der Benzodiazepine oder Neuroleptika).

Beantwortet von: Stefan Frank, Berner Gesundheit

Bei einer Abhängigkeit kann man den Konsum nicht (mehr) kontrollieren. Jemand ist abhängig bzw. süchtig, wenn er/sie nicht mehr „einfach so“ mit dem Konsumieren aufhören kann, auch dann nicht, wenn er/sie und Andere darunter leiden. Dass man bei einer Abhängigkeit das Konsumieren nicht sein lassen kann, hat nichts damit zu tun, dass man es zu wenig will. Eine Abhängigkeit bzw. eine Sucht ist eine Krankheit. Man unterscheidet zwei Arten der Abhängigkeit, die gleichzeitig vorkommen können.

  1. Körperliche Abhängigkeit bedeutet, dass sich der Körper an eine Substanz (z.B. Alkohol oder andere Substanzen) gewöhnt hat und sie deshalb zum Funktionieren braucht.
  2. Psychische Abhängigkeit bedeutet, dass „der Kopf“ nicht auf eine Substanz oder auf ein Verhalten verzichten kann. Dass jemand psychisch abhängig ist, erkennt man vor allem daran, dass er glaubt, zum Beispiel, Alkohol trinken zu „müssen“, oder ein Verhalten zum Beispiel am Computer spielen, machen zu müssen, auch wenn er das eigentlich gar nicht will.

Bei den Suchterkrankungen wird zwischen Verhaltenssüchten wie zum Beispiel Spielsucht, Kaufsucht etc. sowie substanzgebunden Süchten wie zum Beispiel Nikotin, Alkohol oder illegalen Drogen unterschieden.

Eine Suchtentwicklung läuft in verschieden Phasen ab:

Das Kennenlernen und der genussvolle Konsum
In dieser Phase konsumiert man in geringen Mengen, nicht regelmässig und man hat darüber die vollkommene Kontrolle. Das ist gut so.

Gewöhnung
In dieser Phase konsumiert man regelmässig auch unter der Woche und man steigert vermutlich auch etwas die Menge. Man hat weiterhin über sein Verhalten die Kontrolle. Auch das kann weiterhin eine gute Entwicklung sein.

Missbrauch
Es findet dann ein Missbrauch statt, wenn die Dosis gesteigert wird und der Konsum oder das Verhalten mehrmals täglich stattfindet. Bei einem Missbrauch sprechen wir von einer kritischen Phase.

Sucht / Abhängigkeit
Von einer Sucht bzw. einem süchtigen Verhalten spricht man, wenn man die Kontrolle über sein Verhalten, und die Kontrolle über seinen Konsum verliert und verloren hat.

Beantwortet von: Renate Krähenbühl, Berner Gesundheit

Es gibt verschiedene Tipps, damit es dir gelingt, weniger Alkohol zu trinken. Man muss selber herausfinden, welche Strategie am besten funktioniert.

Setze dir Ziele
Damit kannst du deinen Konsum beobachten und Schritt für Schritt neue Ziele festlegen. Schreibe sie dir am besten auf, benutze dafür das kostenlose App mydrinkcontrol.ch. Damit kannst du deinen Konsum beobachten und schrittweise neue Ziele festlegen.

Weihe deine Freunde ein…
damit sie wissen, dass du den Plan hast, weniger zu trinken. Sie können dich darin unterstützen, damit du deine Ziele erreichst.

Belohne dich selber…
wenn du deine Ziele erreichst. Du kannst mit dem Geld, welches du nicht für den Alkohol ausgibst z.B. etwas Schönes kaufen oder etwas mit einem Freund unternehmen.

Wenn jemand fragt, ob du ein Bier möchtest und du keinen Alkohol trinken willst, wird dies leider nicht immer kommentarlos akzeptiert.
Vielleicht reagierst du beim nächsten Trinkanlass wie folgt:

Frage: „Nimmst du auch ein Bier?
Deine Antwort: „Nein danke, ich nehme lieber ein Eistee.
Du musst dich nicht rechtfertigen sondern einfach nur die Frage beantworten.

Frage: „Was ist los mit dir, trink ein Bier mit uns!
Deine Antwort: „Warum ist es denn so wichtig, dass ich mittrinke?
Wenn du zum Trinken gedrängt wirst, kannst du mit dieser Antwort den Ball zurückgeben.

 Wichtig ist es, den Mut nicht zu verlieren, auch wenn es mal nicht klappt. Versuch es wieder! Gerne unterstützen wir dich dabei.

Beantwortet von: Renate Krähenbühl, Berner Gesundheit

Dass du dich um deinen Kollegen sorgst, zeigt, wie wichtig er dir ist. Schaue, dass du ihn unter vier Augen darauf ansprechen kannst. Sprich über deine Sorgen und Beobachtungen, indem du von dir ausgehst und zum Beispiel sagst: „Ich mache mir Sorgen, weil du an den Wochenenden oft betrunken bist, wenn wir in der Gruppe unterwegs sind. Wie siehst du das?“ „Ich habe das Gefühl, dass es dir seit einigen Wochen nicht so gut geht.“
Wenn du über deine Gefühle sprichst, fühlt sich die betroffene Person nicht angegriffen, als wenn du sagen würdest: „Du trinkst zu oft zu viel.“
Es ist mutig von dir, wenn du deinen Kollegen darauf ansprichst. Verändern kannst du sein Verhalten jedoch nicht, das muss er selber wollen.
Manchmal ist es wichtig, mit einer erwachsenen Person darüber zu sprechen oder für sich Hilfe zu holen. Auf unserer Beratungsstelle kannst du dich oder dein Kollege sich beraten lassen, die Gespräche sind kostenlos.

Umgang mit Krankheiten oder schwierigen Situationen

Beantwortet von: Dr. med. Angela Simon-Jödicke, Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Es ist normal, dass Menschen Probleme – auch psychische Probleme – haben. Und oft kann man so ein Problem aus eigener Kraft und mit Unterstützung seiner Familie und Freunde bewältigen und sich dabei weiterentwickeln. Gespräche, Bücher, Sport, Meditation, ausreichend Schlaf, vernünftiges Essen – es gibt viel, was dir dabei helfen kann. Achtung: Psychische Probleme und Drogen vertragen sich auf lange Sicht  schlecht, auch wenn sich kurzfristig nach Drogenkonsum Gefühle wie Entspannung oder Erleichterung einstellen sollten. Wenn dein psychisches Problem dich aber stark belastet oder mit ganz ungewöhnlichen Erfahrungen verbunden ist, z.B. mit Verfolgungsgefühlen, Stimmenhören oder Zwängen, solltest du fachliche Unterstützung und Hilfe suchen. Bei den ersten Schritten kann dir deine Familie helfen oder z.B. auch eine Vertrauensperson an der Schule.

Beantwortet von: Dr. med. Angela Simon-Jödicke, Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Es ist ganz wichtig, diese Situation schnell zu klären. Als erstes sollte man rausfinden, ob dieser jemand tatsächlich gemobbt wird. Wenn Erwachsene Kinder mobben ist dies besonders unfair, weil sie mehr Macht haben. Es ist schwer, sich alleine dagegen zu wehren. Hier ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Der Erwachsene muss in seinem Verhalten begrenzt werden.
Manchmal hat man auch das Gefühl, dass Erwachsene einen Jugendlichen ganz ungerecht und verständnislos behandeln. Der Erwachsene umgekehrt denkt aber, dass er mit seinem Verhalten, z.B. wenn er streng, konsequent oder kritisch ist, dem Jugendlichen hilft, sich besser zu entwickeln. Da ist es gut, wenn beide die Sicht des anderen kennenlernen.
Je belastender die Situation ist, desto wichtiger ist es, sich für so ein klärendes Gespräch gut vorzubereiten. Man sollte sich überlegen, wer bei so einem Gespräch dabei sein könnte, um einen zu unterstützen und vielleicht die wichtigsten Punkte aufschreiben. Dabei kann man auch schon überlegen, ob es verschiedene Sichtweisen auf die Probleme geben könnte. Wenn man den Gesprächstermin ausmacht, sollte man schon sagen, worum es geht – z.B. dass man das Gefühl hat, mit dem anderen nicht gut zurecht zu kommen. Im Gespräch selbst kann man versuchen, Ich – Botschaften zu formulieren. Also z.B. sagen, „ich fühle mich ganz fertig nach so einem Wortwechsel“ und nicht „Sie wollen mich ja fertig machen.“ So vermeidet man ein gegenseitiges Hin-und-Her von Vorwürfen.
Wenn man eine Situation weder alleine noch mit Unterstützung der Familie verändern kann, können Fachstellen, z.B. die Erziehungsberatung weiterhelfen. Bei chronischem Mobbing lässt es sich manchmal nicht vermeiden, dass die Schule oder die Lehrstelle gewechselt wird. Aber wenn man es schafft, so ein Problem zu lösen, hat man meist eine ganze Menge gelernt.

Beantwortet von: Dr. med. Hege Verweyen, Dr. med. Angela Simon-Jödicke; Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Wenn man schon seit der Kindheit Probleme hat, kann einem das grosse Mühe machen, man kann auch Krankheiten entwickeln oder Stimmungsprobleme haben. Auf der anderen Seite kann es aber auch sein, dass man Dinge lernt, die andere nicht lernen können und dadurch auch viele besondere Fähigkeiten entwickelt.
Es gibt ja viele Formen von Familienproblemen, mit denen man auch verschieden umgehen kann.
Ich gehe jetzt auf die Stichworte Migration / Passproblem ein: Du bist in deiner Situation auch nicht alleine, es gibt viele Jugendliche, die aus anderen Ländern stammen und jetzt in der Schweiz leben. Vielleicht hilft es dir, rauszufinden, wie andere mit ähnlichen Erfahrungen zurechtkommen.
Wenn du dich an eine Beratungsstelle oder einen Therapeuten wendest, kannst du lernen, besser mit dem Stress umzugehen. Allerdings werden Fachleute für die seelische Befindlichkeit rechtliche Probleme oder Probleme mit dem Aufenthaltsstatus nicht lösen können, auch wenn sie verstehen, wie wichtig das für dich ist. Für praktische Unterstützung mit rechtlichen Fragen gibt es Rechtsberatungsstellen. Da ist wichtig, dass deine gesetzlichen Vertreter – also deine Eltern oder Beistände – für dich aktiv werden.

Beantwortet von: Dr. med, Hege Verweyen, Dr. med. Angela Simon-Jödicke, Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Sich ausgeschlossen zu fühlen ist ein schreckliches Gefühl. Es kann einem Angst machen oder man fühlt sich ohnmächtig. Eine Psychotherapie kann weiter helfen, wenn sie das nicht tut, sollte man das bei dem Therapeuten unbedingt ansprechen. Wir merken oft, dass es neben der Therapie für den Betroffenen auch Veränderungen im direkten Umfeld braucht. Vielleicht wissen die Menschen um dich herum noch gar nicht, dass du dich ausgeschlossen fühlst und du brauchst Hilfe beim Gespräch. Oder du wirst aktiv ausgeschlossen. Für solches Mobbing gibt es oft in der Schule Programme und Pläne. Aber es ist wichtig, dass die Schwierigkeiten auch bekannt werden. Auch die Erziehungsberatung kann bei schulischen Problemen oder Problemen an der Lehrstelle helfen.

Beantwortet von: Dr. med. Angela Simon-Jödicke, Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Für so einen Rückzug und „Schulabsentismus“ – das ist das Fachwort für Wegbleiben von der Schule – kann es viele und manchmal sehr belastende Gründe geben. Darum werden viele Schüler schnell bei einer Fachstelle angemeldet, wenn sie nicht mehr zur Schule gehen, und sie und die Familien bekommen dann auch Beratung. Aus unserer Erfahrung ist es aber sehr wichtig, wie die Klasse und der Lehrer reagieren, damit der Schulbesuch irgendwann wieder klappt. Darum ist es toll, dass ihr euch Gedanken macht. Es ist gut, wenn ihr als Mitschüler den Kontakt sucht, dass ihr signalisiert, ihr seid für ihn oder sie da und offen für Gespräche. Oft gibt es zwischen Eltern und Lehrern auch Absprachen, z.B., dass die Hausaufgaben vorbeigebracht werden. Vielleicht könnt ihr da eure Hilfe anbieten. Je mehr Schulstoff eure Kollegin / euer Kollege verpasst, desto mehr zusätzliche Probleme tauchen auf. Da könnt ihr vielleicht ganz praktische Unterstützung leisten, z.B. mit kostenloser Nachhilfe. Wenn es Mobbing in eurer Klasse oder auf dem Pausenhof gibt und das eine Rolle spielt, dann solltet ihr daran arbeiten. Wenn ein Schüler nach längerer Zeit wieder in die Schule kommt, fühlt er sich oft komisch – je normaler ihr das angeht, desto leichter ist es auch für ihn. Wenn euer Kollege / eure Kollegin sich bei euch willkommen fühlt, ist das eine grosse Hilfe.

Beantwortet von: Dr. med. Hege Verweyen, Dr. Angela Simon-Jödicke, Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Es ist gut, dass Du offen sagen kannst, wie es Dir geht und, dass es Dir schlecht geht. Du hast sogar schon Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen. Immer wieder kann es Menschen schlecht gehen. Daran ist nichts Falsches. Aber Du sollst nicht alleine sein, wenn es Dir nicht gut geht. Suche Dir jemand mit dem Du in Kontakt treten und in Kontakt bleiben kannst. Vielleicht findest du solche Menschen in deiner Familie oder in deinem sozialen Umfeld, in der Schule, im Verein oder im Freundeskreis. Es gibt auch verschiedene Fachstellen, die dir weiterhelfen können. Du kannst z.B. telefonischen Rat bei der Notrufnummer 147 von Pro Juventute einholen. Im Kanton Bern kannst du auch zur Beratung zur BEGES gehen. Oder dich für einen Termin bei einer Psychologin / einem Psychologen oder einem Kinder- und Jugendpsychiater melden. Bei den kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanzen von der UPD bekommt man im Notfall schnell einen Termin.

Beantwortet von: Philipp Koschorke, Assistenzarzt, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Wenn jemand in eine psychiatrische Klinik eintritt oder eintreten muss (Du schreibt ja, er liess sich einweisen, also eher freiwillig), weil er Stimmen hört, dann KANN, MUSS aber NICHT eine schwere psychiatrische Erkrankung dahinterstecken. Es könnte sich auch um eine kurzdauernde psychische Krise handeln. Für Stimmenhören gibt es viele Ursachen, die wir hier nicht alle aufzählen können und vielleicht sind die Stimmen auch gar nicht das Hauptproblem, sondern nur das auffälligste Symptom. Auf jeden Fall kannst Du davon ausgehen, dass diese Person massiv unter Stress leidet und in der Klinik nun deswegen gut untersucht und behandelt wird und dazu meistens etwas Zeit braucht.

Du fragst nun, wie man sich am besten verhalten solle. Wichtig ist erstmals folgendes: Ruhig bleiben, keine voreiligen Erklärungen suchen oder glauben, bei dem bleiben, was man weiss. Wenn Du persönlich ein freundschaftlich enges Verhältnis zu dieser Person hast, wird sich diese Person früher oder später (manchmal brauchen Menschen in der Psychiatrie in so einer Situation erstmals Ruhe und Reizabschirmung und oftmals Medikamente, die das unterstützen) um eine Kontaktaufnahme (Anruf, SMS, Besuch) freuen. Dazu würde ich mich erst an die Eltern oder einfach an den- oder diejenigen wenden, der die Person am besten kennt, um den besten Zeitpunkt dazu herauszufinden. Ich denke, es ist dann aber wichtig, diesem Menschen zu zeigen, dass man ihm eine gute Genesung wünscht und für ihn da ist. Während der Klinikzeit und danach.

Beantwortet von: Philipp Koschorke, Assistenzarzt, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Du machst Dir um Deinen Vater Sorgen und vermutest ein depressives Geschehen bei ihm. Unter depressiv verstehen wir Fachleute Zustände, bei denen die Betroffenen oftmals bedrückt, niedergestimmt, traurig sind oder sich kraft- und energielos fühlen, sich manchmal emotional zurückziehen und oftmals nur schlecht schlafen können. Oft leiden sie auch unter schwierigen Gefühlen, z.B. Ängsten, Selbstwertzweifel und vielen anderen mehr. Im Zusammenleben mit anderen Menschen kann es dann z.B. auch sein, dass sich ein depressiver Mensch anders als gewohnt verhält, z.B. durch erhöhte Empfindlichkeit, Ungeduld oder Launenhaftigkeit, manchmal auch durch Gereiztheit.

Du sprichst von depressiven Zügen bei Deinem Vater. Wichtig für Dich zu wissen ist, dass nicht jede depressive Verstimmung gleich krankhaft ist und nicht immer auch automatisch behandelt werden muss. Depressive Zustände können auch „von selbst“ wieder vorbeigehen, manchmal aber steckt eine behandlungsbedürftige Krankheit dahinter. Aus dem Umstand, dass Du die Frage stellst, entnehme ich, dass Du Dir ernsthafte Sorgen machst und diese depressiven Züge schon seit längerem beobachtest. Nun hast Du verschiedenen Möglichkeiten: Entweder Du sprichst ihn direkt an, und teilst ihm mit, dass Du Dich um ihn Sorgen machst und was Du genau beobachtest. Wenn Du Dich nicht traust, ihn direkt anzusprechen, ist ein Brief auch eine gute Idee. Eine zweite Möglichkeit ist, zuerst mit einer erwachsenen Vertrauensperson, zu sprechen. Dies kann zum Beispiel Deine Mutter, eine Grossmutter, Onkel oder Tante, Gotte oder Götti oder sogar Deine Lehrerin oder Lehrer oder aber Deine Hausärztin oder Dein Hausarzt sein. Dieser Schritt braucht meistens etwas Mut. Versuche Dir vor Augen zu halten, dass es hierbei ja nicht nur um Deinen Vater geht, sondern dass Deine Sorgen etwas sind, welche ernst genommen werden dürfen und müssen. Deine Sorgen um den Vater sind ja übrigens auch ein Ausdruck davon, dass Du es gut mit ihm meinst und das Beste für ihn willst. Schäme Dich also nicht, das Thema vertrauensvoll entweder alleine oder aber mit Hilfe anderer „auf den Tisch“ zu bringen. Deine letzte Frage war: „Wie gehe ich mit ihm um?“ Ich denke, Du solltest Dich möglichst natürlich ihm gegenüber fühlen können. Wenn seine depressiven Züge oder Zustände dies einschränken, dann ist genau das auch etwas, was direkt oder indirekt (wie oben beschrieben) angesprochen werden sollte.

Beantwortet von: Philipp Koschorke, Assistenzarzt, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Du scheinst Dir grosse Sorgen um Deine Schwester zu machen und nimmst Sie als bedrückt wahr. Dass sie alles in sich „hineinfrisst“ ist eine weitere Beobachtung von Dir, die Dich zusätzlich beunruhigt, weil Du möglicherweise davon ausgehst, dass man alles immer „rauslassen“ muss. Diese Vorstellung ist allgemein weit verbreitet – sie ist auch meistens – aber eben nicht immer – richtig. Das hängt nämlich einerseits auch sehr davon ab, worum es im Detail genau geht, also was Deine Schwester lieber für sich behalten würde oder sich nicht auszusprechen traut oder kann. Andererseits ist es vielleicht auch so, dass sie befürchtet, nicht oder falsch verstanden zu werden oder vielleicht sogar damit bei anderen etwas auszulösen, was dann alles noch viel komplizierter machen würde. Eventuell hat sie diese Erfahrung schon mal gemacht, mit dem sich Aussprechen eine „grosse“ Sache auszulösen, z.B. jemanden zu verletzen oder dann mit weiteren unangenehmen Fragen konfrontiert zu werden. Vielleicht aber ist es viel einfacher und sie schämt sich einfach nur derart stark und kann sich nicht überwinden, das Thema anzusprechen bzw. darüber zu sprechen und sogar einfach nur darüber nachzudenken. Dann könnte es für sie hilfreich sein, darauf angesprochen zu werden. Wie Du siehst, können solche Situationen ganz unterschiedlich sein.

Was vielleicht wichtig zu wissen ist, dass Menschen manchmal ihre nächsten Angehörigen, wozu Du sicher zählst, von solchen Themen schützen wollen und die belastenden Themen lieber wo anders, zum Beispiel bei Freudinnen, in der Clique oder sonst wo (ev. auch bei Fachpersonen) deponieren. Ich weiss aber jetzt gar nicht, wie gut Deine Schwester vernetzt ist, ob ihr diese Möglichkeiten überhaupt zur Verfügung stehen.

Entscheidend ist ja, dass Du Dir Sorgen machst und nicht weisst, wie Du Dich verhalten sollst und dass Du dadurch belastet bist und gerne helfen würdest. Genau das würde ich versuchen, Deiner Schwester gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Ich würde in einem günstigen Augenblick auf Sie zu gehen und sie auf Deine Eindrücke ansprechen. Wichtig ist, sich dabei so neutral wie möglich (damit meine ich: Ohne im Voraus festgelegte Meinung über die Gründe bei Deiner Schwester), aber auch so authentisch wie möglich (damit meine ich, dass Du ehrlich und offen sagst, was Du beobachtest und warum Dir das Sorgen macht) zu verhalten. Wähle die „Ich- Sprache“, d.h. mach Sätze wie bspw. „Ich mache mir Sorgen um Dich und habe oft das Gefühl, dass du sehr bedrückt bist“…… oder: „….wenn ich Dich so sehe weiss ich gar nicht, ob ich etwas für Dich tun kann und ob Du das überhaupt willst“, etc. Akzeptiere und reagiere nicht beleidigt, wenn sie sich Dir gegenüber dann erstmals abweisend verhält, versuche nicht, nachzubohren sondern ihr die Botschaft zu vermitteln: “Wenn Du mich brauchst, bin ich für Dich da!“

Beantwortet von: Lic.phil. Angelika Köstner, Psychiatrischer Dienst, Spital Emmental

Akzeptieren, dass Panikattacken eine psychische Störung sind. Auf einen Menschen zugehen, mit ihm reden, ihm beistehen, d.h. Ernstnehmen und Annehmen hilft bereits viel. Ruhig bleiben, den Betroffenen fragen, was ihm gerade gut tun würde. Der Betroffene weiss dies meist selbst. Generell ist es wichtig, versuchen zu verstehen was passiert. Versuchen, den Grund der Panikattacke herauszufinden, falls der Betroffene es nicht weiss, dem Betroffenen glauben. Panikattacken können grundlos auftreten. Unterstützen zu entspannen, in dem man die Person bei Bedarf an einen ruhigen Ort bringt, ein Glas kaltes Wasser anbietet, frische Luft oder das WC zeigt und Sicherheit vermittelt. Man sollte bei der Person bleiben. Wichtig ist eine Panikattacke von Asthma oder einer ernsthaften körperlichen Erkrankung zu unterscheiden. Eine Panikattacke ist nicht gefährlich. Sie wird aber vom Betroffenen als sehr schlimm erlebt.

Beantwortet von: Cosmin Chita, Oberarzt, Psychiatriestation Spital Emmental

Es gibt verschiedene Wege mit einer Nachricht, die einem Sorgen und Kummer bereitet, umzugehen. Vermeiden ist einer davon, und erlaubt anfänglich, dass in uns selbst ein freier Raum entsteht, wo die Hoffnung weiterhin gedeihen kann, unbeschattet, sowie die Fähigkeit Spannungen, Ungewissheit und Schicksalsschläge durchzustehen.

Wenn du den Wunsch spürst, dich deiner Schwester wieder anzunähern, dann ist die Zeit reif den Ort der Vermeidung zu verlassen. Berücksichtige dabei, dass Menschen die eine besorgniserregende Diagnose bekommen sich so verhalten, als wäre die Krankheit ein unerwünschter und unpassender, aber ständiger Begleiter. Tue etwas mit deiner Schwester zusammen: etwas aussergewöhnliches oder etwas banales, etwas was ihr euch schon immer  gewünscht habt oder etwas was ihr gern zusammen tut. Denn so entstehen die besten Gelegenheiten unaufdringlich über die gemeinsamen Sorgen zu reden und die Erfahrung der Zugehörigkeit neu aufleben zu lassen.

Beantwortet von: Samuel Baumann, Pflegefachmann Psychiatrie, Spital Emmental Psychiatrie Station Langnau

Aggressives Verhalten ist oft eine Reaktion auf erlebten Stress, sich überfordert fühlen, Angst haben, frustriert sein etc. Wenn es dir möglich ist, erkundige dich doch einmal in einer ruhigen Minute bei diesem Mitarbeiter, was ihn in diesen Ausnahmezustand versetzt. Möglich ist, dass allein die Anteilnahme zu einer Entspannung der Situation beiträgt. Wichtig finde ich auch, ihm aufzuzeigen, was seine Aggressionen mit dir machen. Ich habe durch meinen Beruf manchmal mit aggressiven Menschen zu tun und habe die Erfahrung gemacht, wenn ich dieser Person sage, ihr Verhalten mache mir Angst (aggressive Menschen machen mir Angst), hat dies bis jetzt immer zu einer Entspannung der Situation geführt hat. Es scheint als wäre diesen Menschen oft nicht bewusst, wie sie mit ihrem Verhalten auf Mitmenschen wirken und Angst in ihrem Umfeld zu verbreiten scheint meistens nicht ihr Ziel zu sein.

Wichtig scheint mir auch den Vorgesetzten über das Verhalten des Mitarbeiters zu informieren. Ihm liegt sicher daran, dass Aggressionen nicht zum Alltag der Mitarbeiter gehören.