Mein Vater zeigt depressive Züge, wie spreche ich dies am besten an (Brief, Gespräch etc.)? Wie gehe ich mit ihm um?

Beantwortet von: Philipp Koschorke, Assistenzarzt, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Du machst Dir um Deinen Vater Sorgen und vermutest ein depressives Geschehen bei ihm. Unter depressiv verstehen wir Fachleute Zustände, bei denen die Betroffenen oftmals bedrückt, niedergestimmt, traurig sind oder sich kraft- und energielos fühlen, sich manchmal emotional zurückziehen und oftmals nur schlecht schlafen können. Oft leiden sie auch unter schwierigen Gefühlen, z.B. Ängsten, Selbstwertzweifel und vielen anderen mehr. Im Zusammenleben mit anderen Menschen kann es dann z.B. auch sein, dass sich ein depressiver Mensch anders als gewohnt verhält, z.B. durch erhöhte Empfindlichkeit, Ungeduld oder Launenhaftigkeit, manchmal auch durch Gereiztheit.

Du sprichst von depressiven Zügen bei Deinem Vater. Wichtig für Dich zu wissen ist, dass nicht jede depressive Verstimmung gleich krankhaft ist und nicht immer auch automatisch behandelt werden muss. Depressive Zustände können auch „von selbst“ wieder vorbeigehen, manchmal aber steckt eine behandlungsbedürftige Krankheit dahinter. Aus dem Umstand, dass Du die Frage stellst, entnehme ich, dass Du Dir ernsthafte Sorgen machst und diese depressiven Züge schon seit längerem beobachtest. Nun hast Du verschiedenen Möglichkeiten: Entweder Du sprichst ihn direkt an, und teilst ihm mit, dass Du Dich um ihn Sorgen machst und was Du genau beobachtest. Wenn Du Dich nicht traust, ihn direkt anzusprechen, ist ein Brief auch eine gute Idee. Eine zweite Möglichkeit ist, zuerst mit einer erwachsenen Vertrauensperson, zu sprechen. Dies kann zum Beispiel Deine Mutter, eine Grossmutter, Onkel oder Tante, Gotte oder Götti oder sogar Deine Lehrerin oder Lehrer oder aber Deine Hausärztin oder Dein Hausarzt sein. Dieser Schritt braucht meistens etwas Mut. Versuche Dir vor Augen zu halten, dass es hierbei ja nicht nur um Deinen Vater geht, sondern dass Deine Sorgen etwas sind, welche ernst genommen werden dürfen und müssen. Deine Sorgen um den Vater sind ja übrigens auch ein Ausdruck davon, dass Du es gut mit ihm meinst und das Beste für ihn willst. Schäme Dich also nicht, das Thema vertrauensvoll entweder alleine oder aber mit Hilfe anderer „auf den Tisch“ zu bringen. Deine letzte Frage war: „Wie gehe ich mit ihm um?“ Ich denke, Du solltest Dich möglichst natürlich ihm gegenüber fühlen können. Wenn seine depressiven Züge oder Zustände dies einschränken, dann ist genau das auch etwas, was direkt oder indirekt (wie oben beschrieben) angesprochen werden sollte.