Meine Schwester hat jung eine MS-Diagnose erhalten, daraufhin entstand zwischen uns Distanz. Soll ich es wagen mich meiner Schwester und ihrer Krankheit wieder zu stellen? Wie?

Beantwortet von: Cosmin Chita, Oberarzt, Psychiatriestation Spital Emmental

Es gibt verschiedene Wege mit einer Nachricht, die einem Sorgen und Kummer bereitet, umzugehen. Vermeiden ist einer davon, und erlaubt anfänglich, dass in uns selbst ein freier Raum entsteht, wo die Hoffnung weiterhin gedeihen kann, unbeschattet, sowie die Fähigkeit Spannungen, Ungewissheit und Schicksalsschläge durchzustehen.

Wenn du den Wunsch spürst, dich deiner Schwester wieder anzunähern, dann ist die Zeit reif den Ort der Vermeidung zu verlassen. Berücksichtige dabei, dass Menschen die eine besorgniserregende Diagnose bekommen sich so verhalten, als wäre die Krankheit ein unerwünschter und unpassender, aber ständiger Begleiter. Tue etwas mit deiner Schwester zusammen: etwas aussergewöhnliches oder etwas banales, etwas was ihr euch schon immer  gewünscht habt oder etwas was ihr gern zusammen tut. Denn so entstehen die besten Gelegenheiten unaufdringlich über die gemeinsamen Sorgen zu reden und die Erfahrung der Zugehörigkeit neu aufleben zu lassen.