Wann ist der Moment, um mit Drogen/Suchtverhalten aufzuhören? (ab wann ist man süchtig)

Beantwortet von: Cornelia Zehnder, Berner Gesundheit

Der Konsum von Substanzen kann früher oder später in eine Abhängigkeit führen. Nach der internationalen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) liegt dann eine Abhängigkeit vor, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien zutreffen:

  • Innerer Zwang zum Konsum: Verminderte Kontrollfähigkeit über den Konsum
  • Körperliche Entzugssymptome, wenn der Konsum gestoppt oder reduziert wird
  • Toleranzbildung: Dosis muss erhöht werden, um die gleiche Wirkung zu erzielen
  • Andere Interessen werden vernachlässigt, erhöhter Zeitaufwand für die Beschaffung, für den Konsum oder für die Erholung vom Konsum
  • Trotz Wissen um bereits vorliegende Gesundheitsschäden wird weiter konsumiert

Der Weg in eine Abhängigkeit ist sehr unterschiedlich. Was jedoch für alle gilt, sind Risikofaktoren, die die Entstehung einer Abhängigkeit beeinflussen können. Fühlt sich jemand beispielsweise durch die Wirkung von Kokain so, wie er schon immer sein wollte – stark und selbstbewusst – und hat er eine Bezugsquelle für die Droge, so ist die Gefahr weiteren Konsums besonders hoch. Neben einem geringen Selbstwert, einer niedrigen Frustrationstoleranz und einer geringen Konfliktfähigkeit sind auch ungünstige Verhältnisse im eigenen Umfeld massgeblich daran beteiligt, ob jemand in eine Abhängigkeit rutscht. Auch die Art des Suchtmittels, die Verfügbarkeit davon und die Dauer der Einnahme hat einen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Konsums. Nicht zuletzt spielen die in der Gesellschaft vorhandenen Werte eine grosse Rolle. Konsum- und Leistungsorientierung dürfen hierbei nicht unterschätzt werden.

Falls du also vor der Entscheidung stehst, ob du illegale Substanzen einnehmen oder übermässig Alkohol konsumieren willst, frage dich, was genau du damit erreichen möchtest. Probierst du etwas zu verdrängen? In diesem Fall ist Vorsicht geboten und du lässt lieber deine Finger davon, denn eines ist klar: Substanzen lösen das Problem nicht für dich. Zudem entgeht dir die Chance zu lernen, wie du unbequeme Situationen im Leben auf eine konstruktive Art lösen könntest.