Was passiert mit jemandem, der sich von Erwachsenen gemobbt fühlt?

Beantwortet von: Dr. med. Angela Simon-Jödicke, Ambulante KJP Emmental/Oberaargau

Es ist ganz wichtig, diese Situation schnell zu klären. Als erstes sollte man rausfinden, ob dieser jemand tatsächlich gemobbt wird. Wenn Erwachsene Kinder mobben ist dies besonders unfair, weil sie mehr Macht haben. Es ist schwer, sich alleine dagegen zu wehren. Hier ist es wichtig, sich Unterstützung zu holen. Der Erwachsene muss in seinem Verhalten begrenzt werden.
Manchmal hat man auch das Gefühl, dass Erwachsene einen Jugendlichen ganz ungerecht und verständnislos behandeln. Der Erwachsene umgekehrt denkt aber, dass er mit seinem Verhalten, z.B. wenn er streng, konsequent oder kritisch ist, dem Jugendlichen hilft, sich besser zu entwickeln. Da ist es gut, wenn beide die Sicht des anderen kennenlernen.
Je belastender die Situation ist, desto wichtiger ist es, sich für so ein klärendes Gespräch gut vorzubereiten. Man sollte sich überlegen, wer bei so einem Gespräch dabei sein könnte, um einen zu unterstützen und vielleicht die wichtigsten Punkte aufschreiben. Dabei kann man auch schon überlegen, ob es verschiedene Sichtweisen auf die Probleme geben könnte. Wenn man den Gesprächstermin ausmacht, sollte man schon sagen, worum es geht – z.B. dass man das Gefühl hat, mit dem anderen nicht gut zurecht zu kommen. Im Gespräch selbst kann man versuchen, Ich – Botschaften zu formulieren. Also z.B. sagen, „ich fühle mich ganz fertig nach so einem Wortwechsel“ und nicht „Sie wollen mich ja fertig machen.“ So vermeidet man ein gegenseitiges Hin-und-Her von Vorwürfen.
Wenn man eine Situation weder alleine noch mit Unterstützung der Familie verändern kann, können Fachstellen, z.B. die Erziehungsberatung weiterhelfen. Bei chronischem Mobbing lässt es sich manchmal nicht vermeiden, dass die Schule oder die Lehrstelle gewechselt wird. Aber wenn man es schafft, so ein Problem zu lösen, hat man meist eine ganze Menge gelernt.