Wie erkennt man eine psychische Abhängigkeit von Cannabis?

Beantwortet von: Daniela Gnägi, Berner Gesundheit

In den diagnostischen Leitlinien des ICD-10 (internationale Klassifikation psychischer Störungen) sind neben den körperlichen Abhängigkeitskriterien (körperliche Entzugssymptomatik, Nachweis einer Toleranz und anhaltender Konsum trotz schädlicher Folgen), folgende Kriterien für eine psychische Abhängigkeit von Cannabis notwendig:

  • Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang Cannabis zu konsumieren.
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums.

Körperliche und psychische Prozesse sind häufig nicht klar trennbar – dennoch ist die Überwindung der psychischen Abhängigkeit für Betroffene meist deutlich schwieriger als das Überstehen von körperlichen Entzugssymptomen.

Vielleicht merkst du folgende psychische Entzugssymptome, wenn du nach einem regelmässigen Konsum über eine längere Zeit mal einen Tag nicht kiffst:

  • Craving (das starke Verlangen nach dem Cannabis)
  • Appetitminderung
  • Schlafstörungen
  • merkwürdiges Träumen
  • Schwitzen (vor allem nachts)
  • Reizbarkeit
  • Aggressivität,
  • innere Unruhe
  • Affektlabilität
  • Angst
  • Hyperalgesie (übermäßige Schmerzempfindlichkeit)

Eine Abhängigkeit von Cannabis entwickelt sich häufig deshalb, weil die Betroffenen immer häufiger in Versuchung geraten, schwierige Alltagssituationen und damit verbundene unangenehme Gefühle oder Gedanken durch das Kiffen auszublenden. Je länger das Cannabis zur Alltagsbewältigung eingesetzt wird, desto schwieriger wird es, sich wieder ein Leben ohne Cannabis vorzustellen.
Je früher du also reagierst, desto besser. Es gibt diverse Informationsbroschüren bzw. Angebote, ich werde dir hier einige nennen:
www.realize-it.org
www.safezone.ch
www.suchtschweiz.ch/infos-und-fakten/cannabis