Wie sollte man sich am besten verhalten, wenn man erfährt, dass jemand aus dem näheren Umfeld sich in eine Psychiatrie einweisen lässt, der Stimmen hört, die alle anderen nicht hören?

Beantwortet von: Philipp Koschorke, Assistenzarzt, Psychiatrischer Dienst Spital Emmental

Wenn jemand in eine psychiatrische Klinik eintritt oder eintreten muss (Du schreibt ja, er liess sich einweisen, also eher freiwillig), weil er Stimmen hört, dann KANN, MUSS aber NICHT eine schwere psychiatrische Erkrankung dahinterstecken. Es könnte sich auch um eine kurzdauernde psychische Krise handeln. Für Stimmenhören gibt es viele Ursachen, die wir hier nicht alle aufzählen können und vielleicht sind die Stimmen auch gar nicht das Hauptproblem, sondern nur das auffälligste Symptom. Auf jeden Fall kannst Du davon ausgehen, dass diese Person massiv unter Stress leidet und in der Klinik nun deswegen gut untersucht und behandelt wird und dazu meistens etwas Zeit braucht.

Du fragst nun, wie man sich am besten verhalten solle. Wichtig ist erstmals folgendes: Ruhig bleiben, keine voreiligen Erklärungen suchen oder glauben, bei dem bleiben, was man weiss. Wenn Du persönlich ein freundschaftlich enges Verhältnis zu dieser Person hast, wird sich diese Person früher oder später (manchmal brauchen Menschen in der Psychiatrie in so einer Situation erstmals Ruhe und Reizabschirmung und oftmals Medikamente, die das unterstützen) um eine Kontaktaufnahme (Anruf, SMS, Besuch) freuen. Dazu würde ich mich erst an die Eltern oder einfach an den- oder diejenigen wenden, der die Person am besten kennt, um den besten Zeitpunkt dazu herauszufinden. Ich denke, es ist dann aber wichtig, diesem Menschen zu zeigen, dass man ihm eine gute Genesung wünscht und für ihn da ist. Während der Klinikzeit und danach.